Außergerichtliches Vorgehen bei einem Behandlungsfehler

 

Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung, die mit und ohne Anwalt beschritten werden können:

  • bei den Ärztekammern sind Schlichtungsstellen oder Gutachterkommissionen eingesetzt;dort kann ein Gutachten beantragt werden - kostenlos für Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen:

  • Gutachten durch den MDK (medizinischen Dienst der Krankenkassen) - kostenlos

  • Privatgutachten - kostenintensiv


Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen


Die Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen werden nicht nur von den Ärztekammern sondern auch - was die meisten Patienten nicht wissen - von den ärztlichen Berufshaftpflicht-Versicherungen und damit von den Gegnern der Patienten finanziert.


Ein Verfahren durch die Schlichtungsstelle ist u.a. nicht möglich,

  • wenn Strafanzeige gestellt wurde und laufende Ermittlungen stattfinden,

  • wenn ein Verfahrensbeteiligter dem Verfahren nicht zustimmt


Ein negatives Gutachten bestimmt zwar nicht zwingend das weitere Verfahren, ist jedoch keine gute 
Startposition, da sich dann natürlich die Ärzte sofort auf diese Entscheidung berufen.


Andererseits führt die (äußerst seltene ) positive Entscheidung der Schlichtungsstellen / Gutachterkommissionen keinesfalls zu einer angemessenen oder überhaupt zu einer Schadensregulierung. Der Arzt kann die Entscheidung der Schlichtungsstellen / Gutachterkommissionen ohne weiteres ablehnen und die Anerkennung verweigern.


Da das Verfahren vor der Kommission freiwillig ist, stehen dieser auch keine Zwangsmittel zur Verfügung, wenn Teile der Behandlungsunterlagen nicht zur Verfügung gestellt werden.


In aller Regel findet eine Zeugenvernehmung nicht statt. Dies kann insbesondere bei der Beurteilung von Aufklärungsfehlern erhebliche Schwierigkeiten bereiten, da die schriftlichen Aufklärungsunterlagen nicht die alleine Bewertungsgrundlage für eine abschließende Beurteilung sein müssen.


Bei der Besetzung der Kommission handelt es sich nicht selten um Personen, deren aktive ärztliche und juristische Tätigkeit bereits beendet ist. Das Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben kann wegen der immer weiter fortentwickelnden Medizin und Arzthaftung zum Problem werden.


Gutachten durch den MDK


Nach § 66 SGB V sind die gesetzlichen Krankenversicherungen verpflichtet (nur) ihre Mitglieder bei einem etwaigen Behandlungsfehler zu unterstützen.
Dies geschieht in aller Regel mit der Ausfertigung eines ärztlichen Gutachtens des MDK.
Dieses Verfahren ist für den Arzt bzw. das Krankenhaus kein freiwilliges Verfahren. Es kann somit auch gegen den Willen von Arzt oder Krankenhaus durchgeführt werden.


Der Vorteil des MDK-Gutachtens besteht darin, dass der Patient kostenlos eine medizinische Begutachtung der beanstandeten Behandlung erhält.
Die Nachteile sind im Wesentlichen die gleichen wie die bei der Schlichtungskommission.
Im Gegensatz zum Schlichtungsverfahren wird durch den MDK nicht mal der Versuch einer rechtlichen Beurteilung der medizinischen Begutachtung durchgeführt, da der MDK bloß die medizinische Seite begutachtet.


Privatgutachten


Darüber hinaus habt ihr als Eltern jederzeit die Möglichkeit, ein privates Gutachten in Auftrag zu geben. Die Kosten dafür müsst ihr jedoch selbst tragen.


Wichtig ist, dass der mit der Begutachtung beauftragte Arzt aus dem gleichen Fachgebiet kommt, wie der Arzt, dem der Behandlungsfehlervorwurf gemacht wird.


Die Schwierigkeit besteht darin, einen Gutachter zu finden, der ein neutrales Gutachten schreibt. Doch die Qualität und Unabhängigkeit von Gutachtern ist umstritten.
Es fehlen vor allem Vorschriften, die die gutachterliche Tätigkeit als Ganzes kontrollieren und die Unabhängigkeit der Sachverständigen überprüfen.
Studien belegen, dass ein großer Teil der Gutachter in einem engen Netz aus Abhängigkeiten und Beziehungen verstrickt ist.
Hinzu kommt, dass ein Arzt, der ein objektives Gutachten erstellt oder verantwortungsbewusst auf Behandlungsfehler aufmerksam macht, zum Außenseiter und als „Nestbeschmutzer“ degradiert und gnadenlos bekämpft wird.


Ein Arzt, dem ich großes Vertrauen entgegen bringe, sagte einmal zu mir.
"Liebe Frau Gethöffer, suchen sie sich unbedingt einen Gutachter so weit wie möglich entfernt."
Diesen Tipp möchte ich gerne weitergeben.

 

 

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