Ein Gerichtsverfahren in Gang setzen

 

Zivilrechtliche Aspekte

  • Dieser Rechtsweg ist nicht kostenlos.

  • Wer eine Rechtsschutz-Versicherung besitzt, bekommt in der Regel die Anwaltskosten erstattet. Wichtig: Da ein Anwaltswechsel nicht bezahlt wird, sollten Sie Ihren Anwalt, der unbedingt Fachanwalt für Medizinrecht sein sollte, sorgfältig auswählen.

  • Die Kosten für ein privates Gutachten werden nicht von der Rechtsschutzversicherung übernommen.

  • Hier ist es einfacher, dem Arzt die Schuld nachzuweisen, weil beispielsweise bei längerem Klinikaufenthalt nicht den einzelnen Ärzten die Schuld nachgewiesen werden muss.

  • Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass man für sein totes Kind nichts bekommt. Allerdings gibt es Entschädigungen beispielsweise für psychische Schäden bei Familienmitgliedern.

  • Aus meiner Sicht ist die Höhe der Beträge, die Gerichte einem dauernd geschädigten Kind zusprechen, lächerlich

 

Strafrechtliche Aspekte

In der Regel wird den Betroffenen abgeraten, strafrechtliche Schritte gegen Ärzte oder Kliniken einzuleiten, denn zum einen werden über 90 % der Fälle eingestellt und zum anderen würden diese Verfahren zivilrechtlichen Schritten im Weg stehen, weil Ärzte sich häufig darauf berufen, dass die staatsanwaltlichen Ermittlungen eingestellt wurden. Wenn es Betroffenen primär um Schadenersatzansprüche geht, sollte dieser Schritt sorgfältig überdacht und mit dem Anwalt erörtert werden. Schließlich hat hier die finanzielle Absicherung des Kindes höchste Priorität.

 

Eine Strafanzeige ist kostenlos

 

Meine Meinung mit Begründung

Die Straftat „Behandlungsfehler“ sollte angezeigt werden, denn es ist der falsche Weg, von vornherein davon Abstand zu nehmen, in der Annahme, das Verfahren würde mit ziemlicher Sicherheit eingestellt werden.

 

Wenn zig Anzeigen bei der Staatsanwaltsschaft eingehen, wird man dort irgendwann hellhörig und erkennen, dass dieser Arzt vermutlich nicht gewissenhaft arbeitet.

Umgekehrt: Wenn diese betroffenen Patienten sich nicht an die Staatsanwaltschaft wenden, kann sie argumentieren: Bei diesem Arzt ist seit 20 Jahren nie etwas vorgefallen.

 

 

Was geschieht nach der Strafanzeige?

  • Die Patientenunterlagen werden gesichert,

  • Ein Gutachten wird erstellt

  • Der Behandlungsverlauf wird geprüft

 

Im Strafrecht muss dem jeweiligen Arzt die Schuld zu 100 % nachgewiesen werden, daher ist die Beweislast viel schwerer als im Zivilrecht. Trotzdem empfehle ich, durch die Strafanzeige ein Zeichen zu setzen und alles zu versuchen, insbesondere wenn es Ihnen um Gerechtigkeit und nicht primär um Schadenersatzansprüche geht. Das kann ein langer Weg werden und die Erfolgschancen sind gering; trotzdem sollten Sie es versuchen und nicht den Kopf in den Sand stecken. Nur so wird es möglich, hier etwas zu ändern.

 

Übrigens: Die Verjährungsfristen betragen bei fahrlässiger Körperverletzung 3 Jahre, bei fahrlässiger Tötung 5 Jahre.

 

 

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